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Dorf-Chronik

Wappen Klettbach

Die Geschichte von Klettbach – Kurzfassung

Zusammengestellt vom Dorfchronisten · Stand: August 2026

 

Die Ortschronik von Klettbach lässt sich urkundlich bis in das Jahr 1070 zurückverfolgen und dokumentiert damit annähernd tausend Jahre Dorfgeschichte. 

 

Die vorliegende Kurzfassung fasst die wesentlichen Ereignisse aus der chronologischen Auflistung des Gemeindearchivs zusammen und ordnet sie in vier große Zeitabschnitte: 

das hohe und späte Mittelalter (11.–14. Jahrhundert), die frühe Neuzeit (15.–18. Jahrhundert), das lange 19./20. Jahrhundert sowie die Gegenwart im 21. Jahrhundert. 

 

 

 

 

11. – 14. Jahrhundert: Ersterwähnung und die Zeit der Fehden

Klettbach erscheint erstmals 1070 in einer Urkunde, mit der das Kloster Petersberg das Amt Tonndorf mit zwölf zugehörigen Dörfern – darunter Klettbach – zum weiteren Aufbau des Klosters erhielt. Sechs dieser Dörfer, auch Klettbach, unterstanden der Verwaltung des Erzbischofs von Mainz; sie mussten nur die Hälfte der üblichen Abgaben leisten, dafür aber beim Bau von Brücke und Backhaus im Tonndorfer Schloss mithelfen. Das im Tal gelegene Dorf bestand damals aus drei Gemeindehäusern und 68 Hofstätten mit rund 230 Einwohnern und blieb – anders als viele Nachbarorte – von brandschatzenden und raubenden Horden weitgehend verschont. In den folgenden Jahrhunderten taucht der Ortsname in wechselnden Schreibweisen auf – Klettebache/Klettebiche (1070), Klettebache (1350), Klettebeche (1370), Kletkebach (1377) und Clettebech (1387) –, bevor sich die heutige Form durchsetzte.

Die Jahre 1314/15 waren von Kriegen der thüringischen Grafen untereinander geprägt; Felder wurden verwüstet, Missernten folgten, und 1316 raffte eine Hungersnot zahllose Menschen in Stadt und Land dahin. Die ersten unmittelbaren Kriegserlebnisse brachte für Klettbach das Jahr 1336: Erfurter Truppen, die den vom Mainzer Domkapitel gewählten Erzbischof Balduin von Trier nicht anerkennen wollten, zogen über Klettbach nach Kranichfeld und brannten die Stadt nieder. Im anschließenden Grafenkrieg fiel Klettbach zunächst an die Schwarzburger, ehe es Erfurt im Frieden vom 26. Juli 1345 endgültig zusammen mit Tonndorf erhielt; 1357 wurde es den Erfurtern noch einmal ausdrücklich überlassen.

Von Juli 1350 bis Februar 1351 wütete die Pest mit in bis dahin ungekannte Härte in der Region, so dass die Kirchhöfe die Toten kaum noch fassen konnten – ein Wiederaufflackern folgte 1354. 1355 verkaufte Mainz das Amt Tonndorf samt Klettbach für Silber an die Stadt Erfurt. Aus dem Jahr 1370 stammt die erste urkundliche Erwähnung der gotischen Kirche in Klettbach, deren genaues Baujahr unbekannt bleibt. 

1377 wurde das Amt Tonndorf um weitere Dörfer erweitert, darunter Isseroda, Hayn, Nohra, Obernissa, Rhoda, Schellroda und Sohnstedt – Orte, die bis heute eng mit Klettbachs Geschichte verknüpft sind.

 

15. – 18. Jahrhundert: Waid, Bauernkrieg und der Dreißigjährige Krieg

Auch im 15. Jahrhundert blieb Klettbach von den Wirren der Zeit nicht verschont: 1447 zogen angeworbene Söldnerhaufen plündernd durch den Ort, kurz bevor der sogenannte schwarzburgische Hauskrieg (Bruderkrieg) ausbrach, und um 1450 häuften sich Überfälle auf den Handelsstraßen im Weimarer Tal. Wirtschaftlich brachte dem Dorf der Anbau von Waidpflanzen – dem „Thüringer Gold“ – weltweiten Ruhm, da ihre Farbqualität selbst polnische und ungarische Konkurrenz übertraf; die noch erhaltenen Waidsteine im Kraußtal und am Eichenberg erinnern an die einstigen Verarbeitungsmühlen. Eine Urkunde von 1501 belegt, dass alteingesessene Familien wie Hoyer und Hufelt bereits damals als Schöffen im Gericht zu Tonndorf wirkten – Nachkommen leben und wirtschaften bis heute in Klettbach.

1525 beteiligten sich Klettbacher Bauern am Deutschen Bauernkrieg und schlossen sich, wie rund 8000 weitere aus der Region, dem Prediger Thomas Müntzer an. Die Erfurter Obrigkeit ahndete den Aufstand hart: Geldstrafen, Folter und die Enthauptung mehrerer Anführer folgten; als Kollektivstrafe wurde der Gemeinde ihre Wiese entzogen, bis 1526 eine Ermäßigung erfolgte, um den völligen Ruin der Einwohner abzuwenden. Mit der Reformation wirkte ab 1542 der erste evangelische Pfarrer, Stephanus Orlen, in Klettbach; der neue Glaube legte zugleich den Grundstein für das Schulwesen. Am 6. September 1548 wurde die Schule Klettbach offiziell gegründet, erster Lehrer war Nikol Abendroth. Der Schmalkaldische Krieg (1546/47) ging an den zu Kurmainz gehörenden Dörfern – und damit auch an Klettbach – vergleichsweise glimpflich vorüber.

Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts war erneut von Pestzügen (1557/58, 1592, 1611) und wiederholten Kornteuerungen geprägt. 1592 besetzte Herzog Friedrich Wilhelm I. von Weimar mit 600 Reitern gewaltsam das Schloss Tonndorf und riss die zugehörigen Dörfer, darunter Klettbach, an sich; 1596 erhielt der Kirchturm eine von Melchior Moering in Erfurt gegossene Bronzeglocke. Ungleich schwerer traf den Ort der Dreißigjährige Krieg: Zählte Klettbach 1619 noch 33 ansässige Familien, so plünderten schwedische Truppen 1637 das Dorf vollständig aus und trieben alles Vieh fort. 1640/41 waren Schule und Kirche fast völlig zerstört, seit zwanzig Jahren hatte es keine Hochzeit mehr gegeben; zum 1. Advent 1644 standen von 66 Häusern nur noch zehn bewohnt, es gab weder Pferde noch Kühe, Schweine oder Hühner im Ort. Als Pfarrer Erlemann 1647 – nach sechs Jahren ohne Geistlichen – ein neues Kirchenregister anlegte, konnte er nur noch 60 überlebende Familienoberhäupter verzeichnen; der Rest der einstigen Bevölkerung war erschlagen, zu Tode gemartert, an der Pest gestorben, fortgezogen oder als Soldat gefallen.

Der Wiederaufbau zog sich über Jahrzehnte hin: Neue Schulmeister wurden 1660 und 1668 berufen, 1671 entstand ein neues, zweistöckiges Schulhaus, und 1680 löste Kurmainz seine Restschulden ab und erhielt die Dörfer zurück. Zwischen 1721 und 1725 wurde die Klettbacher Kirche im barocken Stil umgebaut und erhielt im Wesentlichen ihr bis heute erhaltenes Erscheinungsbild mit Mansardwalmdach und geschweifter Turmhaube; 1725 baute Johann Georg Schröter aus Erfurt die bis heute erhaltene Barockorgel – eines der wenigen noch bespielbaren Instrumente aus der Zeit Johann Sebastian Bachs in Thüringen. 1743 entstand im sächsischen Esperstedt jene Bockwindmühle, die erst 1909 nach Klettbach umgesetzt werden sollte. Nach den Entbehrungen der vorangegangenen Jahrhunderte wurden die Verhältnisse gegen Ende des 18. Jahrhunderts spürbar besser: 1793 zählte die Gemeinde 259 Einwohner, 68 Häuser sowie einen ansehnlichen Viehbestand aus Pferden, Ochsen, Rindern und Schafen.

 

19. – 20. Jahrhundert: Vom Königreich Preußen zur Bundesrepublik

1802 endete nach Jahrhunderten die kurmainzische Herrschaft, Klettbach fiel an Preußen; von 1807 bis 1813 stand es unter französischer Fremdherrschaft infolge der napoleonischen Kriege. Nach dem Wiener Kongress übernahm ab 1815 das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach für fast ein Jahrhundert die Landesherrschaft. Das 19. Jahrhundert war eine Zeit stetigen, wenn auch von Rückschlägen begleiteten Wachstums: Die Einwohnerzahl stieg von 277 (1802) über 330 (1829) und 425 (1881) auf 464 (1905), begleitet von zahlreichen Hausneubauten – aber auch von schweren Bränden, etwa 1828, 1882 und 1895/96. 1810 entstand die erste, zunächst illegal errichtete Windmühle des Windmüllers Sparhold, die nachträglich genehmigt wurde.

Zu den denkwürdigen Ereignissen des Jahrhunderts zählen ein Doppelmord im benachbarten Hayn (1830), dessen Täter aus Klettbach stammte, die zweiwöchige Sichtbarkeit des Halleyschen Kometen im Oktober 1835 sowie die Auswanderung der Familie Kirst nach Amerika im Jahr 1840, bei der drei der fünf Kinder auf der Überfahrt starben. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 standen elf Klettbacher im Feld, einer von ihnen fiel; ihm und den Gefallenen der Weltkriege wurde 1926 ein Denkmal im Pfarrgarten errichtet. Ab 1884 organisierte sich die Freiwillige Feuerwehr, und mit der Uraufführung des Stücks „Die Dorfmusikanten“ im Mai 1902 begründete Klettbach seinen bis heute gepflegten Ruf als „Theaterdorf“. 1906 bestanden im Ort bereits sieben Vereine, vom Krieger- und Militärverein bis zum Obstbauverein; im selben Jahrzehnt entstand ein Dampf-Sägewerk. Ein Höhepunkt der Ortsgeschichte war 1909 die Übersiedlung der 1743 in Esperstedt erbauten Windmühle nach Klettbach – als technisch aufgerüstete Bockwindmühle prägt sie seither das Ortsbild.

Der Erste Weltkrieg (1914–1918) forderte aus Klettbach 13 Tote und einen Vermissten. 1920 wurde das Land Thüringen gegründet, dem Klettbach seither angehört. Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 hielt die Ideologie auch in der Dorfschule Einzug; im Wald bei Schellroda entstand während des Zweiten Weltkriegs eine unterirdische Heeresmunitionsanstalt. 

Der Zweite Weltkrieg (1939–1945) kostete die Gemeinde 21 Tote und sieben Vermisste. Am 3. Dezember 1945 rückten amerikanische Truppen ins Dorf ein, ehe Klettbach der sowjetischen Besatzungszone zugeordnet wurde; die Bevölkerung wuchs durch rund 190 Flüchtlinge und Umsiedler aus dem Sudetenland und Ostpreußen zeitweise auf 670 Einwohner an.

Die DDR-Zeit prägten Bodenreform (1946), die aus der Raiffeisengenossenschaft hervorgegangene Bäuerliche Handelsgenossenschaft (BHG, 1948–1951) sowie die Gründung landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften ab 1952, darunter 1957 die LPG Typ III „Thomas Müntzer“. Kindergarten und Kinderkrippe entstanden 1953, 1956 wurde eine der ersten Zentralschulen des Kreises gegründet, und 1957 erschien mit „Unser Klettbach“ die erste eigene Dorfzeitung. Der Betrieb der Bockwindmühle wurde um 1960/61 endgültig eingestellt, woraufhin sie über Jahrzehnte verfiel; 1974 wurde Schellroda nach Klettbach eingemeindet. Im Herbst 1989 sorgten Proteste über mutmaßlichen Wahlbetrug bei den Kommunalwahlen und Montagsdemonstrationen auch in Klettbach für Aufruhr; nach dem Mauerfall am 9. November 1989 und der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 kehrte die Gemeinde in den nun wieder eigenständigen Freistaat Thüringen zurück.

Die Nachwendezeit brachte tiefgreifenden Wandel: Die LPGs wurden aufgelöst, landwirtschaftliche Anlagen fielen brach, während gleichzeitig ein regelrechter Bauboom einsetzte. Im neuen Wohngebiet „Alte Leipziger“ und weiteren Siedlungsflächen entstanden zahlreiche Eigenheime, so dass sich die Einwohnerzahl von 902 (1996) auf einen Höchststand von rund 1420 um das Jahr 2000 nahezu verdoppelte. 1991 gründete sich die Jagdgenossenschaft, 1997 die Spielvereinigung Klettbach e. V., und 1998 feierte die Schule ihr 450-jähriges Bestehen. Trotz jahrelangen Engagements von Eltern und Kommunalpolitik gegen sinkende Schülerzahlen musste die Grundschule Klettbach 2004 endgültig schließen.

 

21. Jahrhundert: Wiederaufbau, Hochwasserschutz und Gegenwart

2005 erhielt die inzwischen stark verfallene Bockwindmühle rund 120 Meter vom ursprünglichen Standort entfernt einen neuen Platz und wurde grundlegend rekonstruiert; auf 438 Metern über dem Meeresspiegel gilt sie seither als die höchstgelegene Bockwindmühle Deutschlands. 2008 richtete das spanische Unternehmen MAXAM im ehemaligen Munitionslager bei Schellroda eine gesicherte Sprengstoff-Produktionsstätte ein. 2009 bestätigte das Thüringische Hauptstaatsarchiv das Gemeindewappen als heraldisch einwandfrei: Es zeigt das Erfurter Rad als Verweis auf die frühere Zugehörigkeit zum Amt Tonndorf, zwei Kletten für die Ortsteile Klettbach und Schellroda sowie die Bockwindmühle als markantestes technisches Denkmal des Ortes.

2012 zog in das sanierte ehemalige Schulgebäude das neue Bürgerhaus mit Bürgermeisterbüro und Veranstaltungssaal ein. Wiederholte Hochwasserereignisse (u. a. 2013 und 2014) führten nach jahrelangem bürgerschaftlichem Einsatz 2020/21 zur Gründung einer eigenen Wasserwehr und zum Bau eines Hochwasserschutz-„Umfluters“, der Starkregen künftig gezielt um die Ortslage herumleitet. Die historische Schröter-Orgel der Kirche wurde 2014 und 2016 im Rahmen überregionaler Orgelfahrten einem großen Publikum vorgestellt, und 2017 nahm die neu gegründete Jugendfeuerwehr ihre Arbeit auf.

Das Jahr 2019 war reich an Höhepunkten: Der langjährige Bürgermeister Ralph Triebel wurde zum Ehrenbürgermeister ernannt, nach über zehn Jahren fand mit der „Karibischen Kirmes“ wieder eine Kirmes in Klettbach statt, und der Mühlenverein erhielt den Thüringer Denkmalschutzpreis für die vorbildliche Instandsetzung der Bockwindmühle. Umso schwerer wog der Verlust am 19. Februar 2022, als Orkantief Zeynep mit äußerster Wucht den tragenden Balken der rund 270 Jahre alten Mühle brechen ließ und das Wahrzeichen der Gemeinde einstürzte. Der Wiederaufbau zog sich über mehrere Jahre; bis 2025 wurden Mühlengehäuse, Dach und Flügel schrittweise erneuert, der vollständige Aufbau und die Neueröffnung ist zum Mühlentag 2027 geplant.

Im April 2025 erschütterte ein tragisches Familiendrama die Dorfgemeinschaft zutiefst, dem eine ganze Familie zum Opfer fiel. Im Herbst desselben Jahres feierte die Gemeinde mit einem Oktoberfest auf der Festwiese in Schellroda wieder gemeinsam. 

Heute gehört Klettbach mit dem seit 1974 eingemeindeten Ortsteil Schellroda der Verwaltungsgemeinschaft Kranichfeld an (seit 1992) und erstreckt sich über gut 15 Quadratkilometer. Zum Jahresbeginn 2025 zählte die Gemeinde 1228 Einwohner (592 Männer, 636 Frauen) – nach dem nachwendezeitlichen Höchststand von rund 1420 um die Jahrtausendwende ein Rückgang, wie ihn viele ländliche Gemeinden Thüringens seither verzeichnen. 

Mit dem im April 2026 begonnenen Ausbau der Glasfaserinfrastruktur, der bis voraussichtlich 2027/28 andauern soll, schreibt sich die Ortschronik von Klettbach in ihrem inzwischen zehnten Jahrhundert fort.

 

Quellen: Chronologische Auflistung „Ortschronik Klettbach“ (Gemeindearchiv Klettbach, Stand 19.08.2026) sowie die Einwohnerzahlen-Übersicht der Gemeinde (Stand 21.06.2026); ergänzend Mitteilungen des Landesverbands Thüringer Mühlenvereine zum Wiederaufbau der Bockwindmühle (2025).


 

Karte Klettbach von 1844: Quelle Katasteramt Erfurt

1844