Predigt zum Heiligen Abend 24.12. 2011
Pastorin Charlotte Weber, Klettbach

Liebe Gemeinde, heute steige ich mit einem ganz besonderen Gefühl auf
diese Kanzel. Schließlich haben kurz vor mir noch Engel genau hier gestanden,
und ziemlich sympathische noch dazu. Aber nicht nur das. Der gesamte Altar um
mich herum hat sich heute so festlich herausgeputzt, wie Sie ihn noch nie
gesehen hatten. Was für ein Glanz!

Und da fällt mir auf, dass nicht nur auf der Kanzel bis eben Engel gestanden
haben, sondern dass direkt über mir Engel stehen. Sie können Zeugnis davon
geben, was unsere Krippenspiel-Engel gesagt haben:
Die Geburt von Jesus als Retter der Welt konnte über 2000 Jahre die Menschen
bewegen. Über 300 Jahre stehen die beiden Engel da oben schon da und haben
Jahr für Jahr gesehen, wie Menschen sich von der Geburt Jesu haben berühren,
trösten, bereichern lassen.

Heute sehen sie uns mit ihren frischen Augen an. Aber sie sehen nicht Hirten und
Könige wie im Krippenspiel, nicht hier die Armen und dort die Reichen, nicht hier
die einfachen Leute und dort die Schlauen.

Nein, sie sehen ganz unterschiedliche Menschen. Da sind welche, denen geht es
äußerlich gut, aber sie sind innerlich leer und ausgebrannt. Da sind Menschen,
die auf ein zufriedenes Jahr zurückblicken und manche, die nie zufrieden sind.
Menschen, die den heutigen Abend kaum erwarten konnten – und Menschen,
die lieber nichts mehr erwarten, nicht von diesem Fest und nicht vom Leben.

Und vielleicht staunen unsere Engel da oben, wie die Engel im Krippenspiel, dass
sich Gott ausgerechnet diese Menschen, also uns, aussucht, um ihnen seine
Botschaft zu verkünden. Doch sicher wissen unsere Engel: Diese Botschaft geht
alle an! Jesus geht alle an! Denn Gott hat Jesus zu allen Menschen gesandt und
sein Name bedeutet „Gott ist mit uns!"

Gott ist mit denen, die unzufrieden sind – er zeigt ihnen, dass selbst in widrigen
Umständen Gutes entstehen kann, das Kind, das im Stall geboren wird, wird zum
Retter der Welt. Gott ermutigt sie, auf das zu sehen, was gelingt.

Gott ist mit denen, die sich arm fühlen, die sich nutzlos und unbedeutend vorkommen.
Er zeigt ihnen, dass das Kleine ganz groß werden kann und dass die Ärmsten zuerst
davon hören. Gott  ermutigt sie, loszugehen und das bisschen beizutragen, was sie
können an Wärme und Licht.

Gott ist mit denen, die auf der Suche sind und bei denen, die nichts mehr erhoffen.
Gott zeigt ihnen, was man finden kann, wenn man seiner Sehnsucht folgt. Er ermutigt
sie, Wünsche und Hoffnungen Raum zu geben und sie nicht zu unterdrücken.

Die Engel wissen es. Sie haben es über Jahrhunderte hinweg gesehen:
Die Botschaft kann jeden und jede von uns berühren. Denn in ihr steckt, was wir
am meisten ersehnen: Frieden auf Erden, zum Wohl aller Menschen.

Amen.



Kirchgemeinde Klettbach
Straße der Einheit 1, 99102 Klettbach
Telefon 03 62 09 222, Fax 03 62 09 437 03